Was bedeuten E-Zines für den Journalismus?

Wohin steuert die Informationsgewinnung? Das ist die Frage, die sich immer mehr Menschen stellen. Die klassische Tageszeitung büßt seit ungefähr 20 Jahren in jedem Jahr mehr Leser ein. Die Funke Mediengruppe, zu der unter anderem die WAZ ( Westdeutsche Allgemeine Zeitung ) gehört, musste hinnehmen, dass sich ihre Auflage während er letzten beiden Jahrzehnte halbiert hat. Bedeutet das, dass die Menschen der Nachrichten überdrüssig geworden sind? Mitnichten! Das Gegenteil ist der Fall. Die Vielfalt ist während des besagten Zeitraums immens gestiegen, was bedeutet, das für jeden einzelnen Informationskanal weniger Leser zur Verfügung stehen.

Eine Form der Informationsgewinnung sind für die Leser die sogenannten E-Zines geworden. Es handelt sich hierbei um rein webbasierte Plattformen im Stile eines Nachrichten-Journals. Die Aufmachung ähnelt oft denen der großen Verlage, doch im Hintergrund gibt es viele Unterschiede. E-Zines beschäftigen keine eigenen Investigativ-Journalisten. Es wird weniger recherchiert oder aufgeklärt. Vielmehr nutzen E-Zines oft die Informationen, die bereits im Web verfügbar sind und interpretieren diese neu, bzw. arbeiten diese mit einer neuen Sichtweise auf. Was in der Tat bei vielen Themen sehr hilfreich sein kann, gerade bei den Themen die der Gesellschaft besonders nahe gehen, kann es helfen von vielen Seiten unterschiedliche Sichtweisen zu erhalten. Es wird ein breites Angebot geschaffen, auf dem sich der Einzelne dann seine Meinung bilden kann. In gewisser Weise brechen diese neuen Möglichkeiten damit die Macht des klassischen Journalismus.

Das gefällt natürlich nicht jedem. E-Zines sind oft nur von einer handvoll Leuten geführt, die teilweise nicht über eine journalistische Ausbildung verfügen. Ihre Artikel sind, somit oft sehr stark mit der Meinung des Autors versehen. Die Aufgabe des Journalismus sollte es von jeher sein, genau dies nicht zu tun. Die reine Information sollte so ungefärbt und authentisch vermittelt werden, damit sich der Leser sein eigenes Bild machen kann. Nur, ist das reine Theorie. Denn auch der hochgelobte Qualitätsjournalismus ist voller Meinungsmache. Dies soll kein Vorwurf sein. Denn es ist nur zu menschlich, dass einzelne Themen dem Autor so nahe gehen, dass es zu einer Vermischung von Meinung und Information kommt.

Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung? Dies ist schwer zu sagen, denn es gibt sehr wohl Dinge, die für eine breite Masse an Informationsplattformen spricht und es gibt gute Einwände die dagegen sprechen. Ein kritischer Punkt sind Recherchen und Hintergrundberichte. Diese sind oft langwierig und erfordern neben einer Menge Geduld, Geschick und Expertise auch die nötigen Ressourcen um eine solche Arbeit abliefern zu können. Dies sind Arbeiten, die von den Machern der kleinen Onlineportalen kaum zu bewerkstelligen sind, es ist noch nicht einmal der Anspruch vorhanden eine solche Arbeit abliefern zu wollen. Dies hat natürlich Konsequenzen und es spielt den Mächtigen perfekt in die Karten. Es gibt immer weniger aufgedeckte Skandale und wenn es sie gibt, so werden sie nicht mehr von allen wahrgenommen. Da sich jeder woanders seine Informationen besorgt. Das eine Portal berichtet über den Skandal und das andere nicht. Die Zeiten, in denen der Spiegel oder die Bild-Zeitung mit nur einem einzigen Artikel das Land erschüttern konnten, neigen sich dem Ende zu. Die einen freut es, die anderen sehen darin eine Gefahr. Der Trend zu mehr Vielfalt lässt sich nicht mehr stoppen, was aber noch zu meistern ist, wäre die Qualität. Hier könnten sich die großen Medienvertreter überlegen, wie sie mit der neuen Konkurrenz umgehen möchten. Es kann, wie immer, eine Chance sein, die sich hier bietet. Aber sie muss auch genutzt werden. Der Ball liegt bei den etablierten Medien.